Aber es war doch nur Spaß – oder wenn aus Spaß Gewalt wird

Theater und Podiumsdiskussion mit dem „Aktionskreis Winnenden“

Beleidigungen, Mobbing, Prügeleien - wo beginnt Gewalt? Mit diesem Thema befasst sich das Stück "War doch nur Spaß", das die Schüler der Realschule Blaustein und viele Gäste im Theaterzelt sahen.

Wo beginnt Gewalt im Alltag, in der Schule oder im Klassenzimmer? Bei ständigen Beleidigungen, beim Mobbing oder erst dann, wenn geprügelt wird? "Diese Fragen wollten wir mit diesem Klassenzimmerstück aufwerfen", sagte der Heilbronner Schauspieler Thomas Fritsche (41) bei der Podiumsdiskussion nach der Aufführung im Theatereizelt in Blaustein. Eingeladen hatten die Realschule Blaustein und der CVJM, das Theaterstück steuerte die "Stiftung gegen Gewalt an Schulen" bei. Verfasst wurde das Ein-Mann-Stück von Schauspieler Fritsche und seiner Ehefrau, aufgeführt wurde es im Auftrag des "Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden" allein in den vergangenen beiden Jahren rund 250 Mal in ganz Baden-Württemberg.

"Wir wollen, dass Schüler die Fähigkeit entwickeln, mit den Personen des Theaterstücks Empfindungen zu teilen", erklärt Fritsche. Dabei handelt das Stück weder von einem Amoklauf, noch von anderen exzessiven Gewaltausbrüchen. Es thematisiert vielmehr die Gewalt im Kleinen, die oft nicht als solche wahrgenommen wird. "Es geht hier letztlich um die Grenze, an der aus Spaß Gewalt wird", sagte der Autor.

Fritsche agierte am Donnerstagabend in dem voll besetzten Theatereizelt als Regisseur und Schauspieler in fünf verschiedenen Rollen. Unterstützt wurde er in der kreativen Ein-Mann-Show von vier Schülern der Realschule Blaustein, die ihn mit Handpuppen ergänzten. Zum pädagogischen Hintergrund sagte Karlo Hafner, Schulleiter der Realschule Blaustein: "Wir möchten in Blaustein auch das soziale Lernen in den Vordergrund rücken, damit so etwas wie in Winnenden nie wieder passiert." Hafner sprach damit den Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden vom März 2009 an, als 15 Menschen, darunter neun Schüler, getötet wurden.

Für die Stiftung war der zweite Vorsitzende des Aktionsbündnisses Winnenden, Dirk Bloksma, nach Blaustein gekommen: "Wir wollen mit diesen Vorführungen den Kindern ein Stück weit die Augen öffnen, wie wir tagtäglich miteinander umgehen", sagte Bloksma.

Petra Späth vom CVJM Blaustein wies auf die besondere Rolle der Vereine beim sozialen Lernen hin. „Wichtig ist, dass Kinder in der Familie, in der Schule und im außerschulischen Bereich Ansprechpartner finden.“

Der Blausteiner Bürgermeister Thomas Kayser betonte in der anschließenden Podiumsdiskussion, dass die Kommunen für die Sicherheit an Schulen verantwortlich sind. Er verwies auf zentrale Maßnahmen, die Blaustein im vergangenen Jahr umgesetzt habe: "Wir haben nicht nur die Stellen für Schulsozialarbeiter erhöht, sondern auch in der Realschule Blaustein für 80 000 Euro eine Alarmanlage eingebaut." Natürlich könne damit kein Amoklauf verhindert werden, aber diese vorsorglichen Maßnahmen erhöhten doch die Sicherheit der Schüler und Lehrer.

Unsere Schüler als Schauspieler
Unsere Schüler als Schauspieler
Podiumsdiskussion mit Petra Späth vom CVJM, Schauspieler Thomas Fritsche, Realschulrektor Karlo Hafner, Dirk Plosma 2. Vorsitzender des Aktionsbündnisses Winnenden und Bürgermeister Thomas Kayser
Podiumsdiskussion mit Petra Späth vom CVJM, Schauspieler Thomas Fritsche, Realschulrektor Karlo Hafner, Dirk Plosma 2. Vorsitzender des Aktionsbündnisses Winnenden und Bürgermeister Thomas Kayser