Mitmachen Ehrensache

"Abschleppideen" ordnen statt Chemie büffeln

 

Drei Schülerinnen der Realschule Blaustein haben am
Internationalen Tag des Ehrenamts bei Prolux gearbeitet

Anne, Maren und Vanessa sind sich einig: Ackern im Lager und der
Folienabteilung ist besser als Chemie. Am Tag des Ehrenamts haben sie wie
700 Schüler der Region einen Tag lang in einer Firma gearbeitet. Ihr
Gehalt geht an Jugendprojekte, dafür konnten sie in die Berufe schnuppern.

Der Rücken tut schon etwas weh. Aber nachdem die mehreren hundert Kataloge,
die im Lager in gelben Kisten liegen, geordnet sind, wartet noch ein Berg
voll Arbeit auf Anne und Maren. Genauer gesagt: eine Palette mit zig
weiteren gelben Kisten. Die beiden Achtklässlerinnen der Realschule
Blaustein arbeiten ehrenamtlich von 8 bis 12 Uhr in der Blausteiner Firma
Prolux Systemtechnik. "Das macht Spaß", sagt Maren. Ihr Gehalt - für
diesen Tag fünf Euro die Stunde - geht an die Aktion "Mitmachen -
Ehrensache". Diese unterstützt mit dem Geld Jugendprojekte und ein
Waisenhaus in Kenia.

Über 700 Schüler im Alb-Donau-Kreis haben 2006 mitgemacht und in
verschiedensten Betrieben gearbeitet. In diesem Jahr waren es am gestrigen
Internationalen Tag des Ehrenamts etwa wieder so viele, sagt Thomas
Laengerer, Kreisjugendpfleger. Ganz genau weiß er die Zahl noch nicht.
"Sehr viele Schüler melden ihre Teilnahme erst nach der Aktion an." Sie
ackern in der Marketing-Abteilung der Sparkasse, in Bäckereien oder im
Kieswerk, die Firmen lassen sie zwei bis acht Stunden ran.

Anne und Maren haben sich die Lagerarbeit selbst ausgesucht und sich mit
einem Bewerbungsschreiben vorgestellt. "Ich wollte wissen, wie das ist,
wenn man in einem Lager arbeitet", sagt Anne, 13. Der Vater ihrer
Mitschülerin Maren arbeitet bei Prolux, so kamen die zwei auf die Firma.
Nachdem sie Gummiteile gestapelt haben, sind nun die neuen Kataloge dran:
Die Mädchen sollen "Abschleppideen 2007/2008" nach Sprachen ordnen,
Italienisch, Französisch, Deutsch. Im Lager läuft Popmusik, nach kurzer
Einweisung sind die Mädchen unter sich und können ungestört plaudern.

"Ich finde es abwechslungsreich, aber anstrengend", sagt Maren. Ob sie
sich vorstellen können, nach der Schule hier zu arbeiten? "Nein", sagen
die Mädchen synchron und grinsen sich gegenseitig an. Maren will Kauffrau
werden, Anne will "irgendwas im Krankenhaus" arbeiten. Aber für einen
späteren Nebenjob wollen sie das Lager im Auge behalten. In ihren Familien
arbeitet niemand ehrenamtlich, und so ist es ihr erster Kontakt mit der
Wohltätigkeit. Er scheint sich gut anzufühlen. "Das ist eine gute Sache",
sagt Anne, "und die Projekte wie Unicef brauchen das Geld ja." Abgesehen
davon müssten sie jetzt normalerweise Chemie büffeln, da sei ihnen die
Arbeit lieber - zumindest für einen Tag.

Genauso denkt auch Vanessa, ihre Mitschülerin, einen Stock höher bei
Prolux. Sie schneidet den Vormittag über in der Folienbeschriftung mit
einem kleineren Teppichmesser Schriftzüge aus, gemeinsam mit zwei
Mitarbeiterinnen. "Das gefällt mir ziemlich." Die Buchstaben werden später
auf Uniformen gebügelt. Ihre Schwester arbeitet auch hier, im
Mediendesign, "aber am Computer, das ist nicht so mein Ding." Ihr gefalle
ihr Ein-Tages-Job so gut, dass sie sich eine Ausbildung hier gut
vorstellen kann.

Für die Förderung durch die Aktion "Mitmachen - Ehrensache" haben sich
bisher laut Kreis-Jugendpfleger Laengerer drei Projekte beworben. Unter
anderem eine Skatergruppe aus Dornstadt, die die Arbeit ihres Trainers
weiterhin finanzieren will, und die Förderschule in Munderkingen, die für
die Mittagspause Liegen anschaffen will. "Es ist wichtig, dass
Einrichtungen geholfen wird, die nicht ans normale Fördersystem
angegliedert sind oder die besondere Wünsche haben." Laengerer hofft, dass
der Aktionstag eine ähnliche Summe einbringt wie im letzten Jahr, als
knapp 20 000 Euro zusammenkamen.